Marco Casanova

Casanova Weinpur,  St. Gallen, Schweiz

4.2
Hektar
4
Rebsorten
7
Weine
Bei CasaNova Wein Pur ist der Namen Programm: pur, authentisch und ausgezeichnet.

Was für Wein möchten sie machen. Was ist ihnen bei ihrer Arbeit wichtig?

Ich vinifiziere reine, naturbelassene und authentische Weine - keine Massenweine. In meinen Weinen soll die aufwändige biologisch-dynamische Arbeit nach DEMETER erlebbar sein. Wir kommen ohne synthetisch hergestellte Pflanzenschutzmittel aus und schauen, dass wir natürliche Artenvielfalt in die Weinberge bringen und dem Boden Gutes tun und ihn aufbauen. Wir haben einen ganzheitlichen Blick und wollen Artenvielfalt und Tiere in unsere Rebberge bringen und glauben, dass der Mensch, der im Weinberg arbeitet, dazu gehört. Wir berücksichtigen beim Arbeiten im Weinberg und im Keller Mond-Konstellationen.

Marco Casanova

Marco Casanova lernte zuerst Maschinenmechaniker, Feinelektroniker und Informatiker und Maschinenprogrammierer. In diesem Beruf hatte er einen Chef, der ihn mit der Weinwelt vertraut machte: Zu Weihnachten gab es tolle Weine und hier und da eine gemeinsame Weintour. So begann Marco Casanova 1994 /95 mit einer Aufbaulehre zum Winzer. Er arbeitete zunächst auf Weingütern in der Deutschschweiz bevor er 2003 auswanderte und in Südfrankreich mit einem Partner 2003 das Weingut Mas du Soleilla aufbaute. 2009 kehrte Marco Casanova in die Schweiz zurück und arbeitete bis er 2013 CasaNova Wein Pur AG gründet, bei Cicero Weinbau in Zizers.

Seit 2013 führen Sie ihr eigenes Weingut, nachdem Sie mit anderen erfolgreich waren. Haben Sie einen Traum, den Sie mit ihrem Weingut erreichen wollen?

Wenn man ein Weingut übernimmt, muss man nicht träumen, sondern arbeiten. Das ist ein jahrelanger Prozess. Man muss achtsam mit dem Boden umgehen, was viel Zeit braucht. Es ist zwar kein Traum, aber es wäre schön, wenn ich das Weingut einer jüngeren Generation schlüsselfertig übergeben könnte: mit einem gesunden Boden, wirtschaftlichen Sorten und dass das Weingut ein gut funktionierendes Ganzes bildet.

Was macht für Sie einen guten Wein aus?

Ein guter Wein soll bewegen und etwas in einem auslösen. Der Wein soll zu einer Auseinandersetzung anregen. 2 oder 3 Schlucke nehmen – vielleicht auch eine halbe Flasche -, bis man beginnt, den Wein zu verstehen. Das ist für mich ein guter Wein mit Charakter. Er darf auch anecken. Nicht wie bei einer Massenware, die man immer wieder probieren muss, um sich an den Geschmack zu erinnern.

Sie haben ein konventionelles Weingut übernommen und sofort begonnen, es nach Demeter-Prinzipien zu bewirtschaften. Welche Änderungen konnten sie feststellen?

Die Entwicklung ist ganz klar wahrnehmbar. Der Boden verändert sich. Er riecht besser und ist lebendiger. Es hat mittlerweile viele nützliche Insekten und Tiere.

Haben Sie eigene Tiere auf dem Weingut?

Wir haben zwei Katzen gegen Mäuse in der Seemühle. Demeter passt gut auf Landwirtschaftsbetriebe, wo man einen Kreislauf samt Tieren schaffen kann. Im Winter haben wir Schafe in den Reben, die das Gras fressen und den Boden düngen. Schön wäre noch eine Kuh, die uns Milch geben könnte und deren Mist wir für Kompostpräparate brauchen könnten. Wir stellen uns auch die Frage, wie wir die Artenvielfalt der Tiere in unserem Kreislauf beleben und erweitern können: Vielleicht kommen demnächst Hühner, Gänse oder Ziegen dazu.

Wie arbeiten Sie ohne Herbizide in den Weinbergen?

Wir versuchen, wenn möglich, den natürlichen Feind von etwas zu finden, zum Beispiel eine Pflanze, die eine andere Pflanze verdrängt oder herausfordert. Ein Unkraut ist für uns nichts Negatives. Ich glaube, dass sich das in der natürlichen Vielfalt selbst reguliert. Ein Unkraut ist dann nur ein Kraut unter vielen. Es sollte ein Miteinander sein und ich arbeite mit der Frage, wie man Probleme integrieren kann. Bei Neophyten stellt sich die Frage, warum sie einheimische Pflanzen verdrängen: „Stimmt etwas mit dem Boden nicht, hat sich der Boden verändert oder das Klima oder ist der Regen sauer geworden?“

Was darf man sich unter dem offenen Weingarten Kaliforni vorstellen?

Das ist ein wunderschöner Ort im Rebberg: Mit Palmen, Kiwis und mediterranem Flair. Es ist ein feines Grotto mit einfacher Gastronomie: Man kann sich Tapas und unseren Wein in Selbstbedienung holen und unter Palmen oder Platanen die Lage am See geniessen.

Ein guter Wein soll bewegen und etwas in einem auslösen. Der Wein soll zu einer Auseinandersetzung anregen.

Was war ihr eindrücklichstes Erlebnis auf dem Weingut?

2016 und 2017 gab es Frost, wie ihn die meisten Winzer noch nicht erlebt hatten. Am Morgen war alles futsch. Es war so ähnlich, wie wenn der Hagel im Herbst vor der Ernte alles zerschlägt. Wir verloren 2016 30% der Ernte und 2017 70% und wussten nicht, ob wir den Rest der Ernte auch noch durchbringen würden. Ausschlaggebend war, dass es im Januar so warm war, dass die Reben bereits getrieben hatten und im vollen Saft standen. Dann, wenn die Schosse bereits ausgeschlagen haben, wird ein Kälteeinbruch im April / Mai zu einem grossen Problem.

Wie haben Sie auf die Ernteausfälle reagiert?

Die Liquidität war das erste Problem. Wir hatten keinen Wein und keine Mittel, um für die bevorstehenden Weinabfüllungen Flaschen, Etiketten und Weiteres zu kaufen. Ein Darlehen hätte die Firma zu sehr belastet und so machten wir ein erfolgreiches Crowdfunding. Das Resultat wurde nachhaltig und gut. Für das Geld gab es einen Gegenwert in Form von Kellerführungen, Degustationen oder Events. Wir haben Kunden gewonnen und ein gutes Echo bekommen. Das hätte eine Bank nicht bieten können. Den fehlenden Wein konnte ich mit dem Verkauf von Kuckucksweinen und unserem Friend`s Wein-Projekt kompensieren.

Sie bieten eine Barrique-Patenschaften an. Wie kamen sie dazu?

2018 war ein Superjahr. Die Ernte war ausgezeichnet und wir brauchten ca. 20 neue Barriques. Für diese Anschaffung brauchte es einen grossen Betrag, der uns wieder vor neue Probleme stellte. So kam es zur Idee der Barrique-Patenschaft: Die Leute zahlen 1200 CHF und dafür bekommen sie über drei Jahre je 12 Flaschen des Paten-Weins und am Ende das Barrique mit dem eigenen Namen eingraviert zu sich nach Hause geliefert.

Sie haben einige Weinpreise eingeheimst und sind u. a. im Gault Millau unter den 150 besten Schweizer Weingütern gelistet. Was bedeuten Ihnen diese Auszeichnungen?

Das ist sicher eine grosse Anerkennung meines Wirkens über 26 Jahre als Winzer und es bestätigt meine Arbeit: Diese Anerkennung ist ja nichts, was über Nacht gekommen ist, sondern das Resultat eines grossen Einsatzes und eines langen Weges.

Casanova Weinpur
Casanova Weinpur

St. Gallen,Schweiz

Marco Casanova

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Hektar
Rebsorten
4
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