Martin Wiederkehr & Team

Dreistand – Weinbauzentrum Wädenswil,  Zürichsee, Schweiz

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Das Weinbauzentrum Wädenswil ist der erste Ansprechpartner für den Deutschschweizer Weinbau. Dafür hinterfragt Martin Wiederkehr auch erfolgreiche Konzepte.

Welche Aufgaben hat das Weinbauzentrum Wädenswil Ihrer Meinung nach?

Das Weinbauzentrum Wädenswil ist sehr stark mit dem Branchenverband Deutschschweizer Wein verwurzelt, der alle Weinbaukantone aus der Deutschschweiz mit ihren Winzerinnen, Winzern und Weinkellern, ob gross oder klein, vertritt. Für sie sind wir die zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um den Weinbau, Kelterung und den Vertrieb. Wenn irgendjemand eine Frage oder ein Problem hat, dann kann man sich an uns wenden. Deshalb gibt es bei uns neben Aus- und Weiterbildungen auch den Wissenstransfer und wir haben dafür eigene Labore, Versuchsweinberge und eine Versuchskellerei. Mittlerweile sind wir auch eine Versuchsstation geworden: Klonprüfungen, Reduktion von Pflanzenschutzmittel, Suche nach neuen Rebsorten und das Pflanzen und der Ausbau der neuen Rebsorten gehören zusammen mit unserem Partner Agroscope zu unseren Fragestellungen.

Martin Wiederkehr

Der Schüler Martin Wiederkehr entdeckte bei der Weinlese seine Berufung. Statt der Matura machte er die Ausbildung zum Winzer und verschrieb sich ganz der Sache. Er wollte jeden Bereich mindestens 2 Jahre lang kennenlernen und so liest sich auch sein Werdegang: Nach Weinreisen studierte er an der Hochschule in Wädenswil Önologie und arbeitete für 6 Jahre an der Forschungsanstalt. Danach wechselte er in den Weinhandel und danach ins Retail-Business und arbeitete für die Transgourmet Group, um danach die Cave de Genève und später die Rutishauser Weinkellerei zu leiten. In der Folge wurde zum Präsidenten des Branchenverband Deutschschweizer Wein gewählt und sass im Verwaltungsrat des von ihm mit gegründeten Weinbauzentrums Wädenswil, bis er 2021 die Geschäftsführung übernahm. Nach über drei Dekaden ist Martin Wiederkehr mit allen Weinen gewaschen.

Welche Rolle hat das Weingut Dreistand, das in dem Forschungszentrum mit eingegliedert ist?

Das Weingut Dreistand ist im Kontext des Weinbauzentrums eine Weinmarke und unser neues Forschungsfeld. Die Aufgaben eines Winzers reichen vom Pflanzen bis zum Verkauf. Für uns geht es darum zu sehen, wie man Marketingkonzepte anwenden und ausbauen kann.

Ist Dreistand nur ein Marketingversuchslabor?

Vor dem Marketing geht es bei Dreistand natürlich um das Können: Kompetenz, Einzigartigkeit und das Lebensgefühl. Kompetenz ist Handwerk, Herzblut, Berufsstolz und Professionalität. Wir wollen mit Vertrauen und Mut eine Vorreiterrolle einnehmen und eine Inspiration für andere sein. Bei der Handschrift geht es um den Stil, sowohl beim Wein als auch bei der Präsentation. Die Weinstile wollen wir auch immer wieder hinterfragen: Gibt es globale oder regionale Trends und wie entwickeln die sich? Am Ende geht es um den Menschen: Das Weinmachen braucht Savoir-faire und die Weinkultur Savoir-vivre. Man muss den technologischen und emotional-empirischen Ansatz mit Leidenschaft verbinden.

Geht es beim Wein beim Weingut Dreistand darum, immer wieder neue Weine zu machen?

Das Thema ist, sich selber immer wieder in Frage zu stellen. Wer sich nicht mehr in Frage stellt, stagniert und Stagnation ist Rückschritt. Es geht immer darum, alle Teilbereiche, die man in der ganzen Wertschöpfungskette inne hat, wieder und wieder zu hinterfragen. Es wird aber auch Ikonen geben, die wir weiterentwickeln werden. Ein Räuschling, der am Zürichsee eine autochthone Sorte darstellt, gehört beim Weinbau in der Region zur Kultur und Passion und hier werden wir unsere Arbeit verstärken.

Wir wollen mit Vertrauen und Mut eine Vorreiterrolle einnehmen und eine Inspiration für andere sein.

Welche Herausforderungen sehen Sie für den Deutschschweizer Wein und wie hilft das Weingut Dreistand dabei?

Wir werden in Zukunft viel nachhaltiger arbeiten. Deshalb müssen wir uns auch mit den PIWI-Sorten auseinandersetzen. Heute sind bereits fast 20 % unserer Rebberge mit PIWIs bepflanzt. Viele Kunden wollen eigentlich ungespritzte Weine, wissen aber nicht, dass Bio das zunächst nicht ist. Aber auch der PIWI-Wein muss Trinkfreude bereiten. Es soll ein Vorzeigeprodukt sein und nicht eckig und kantig schmecken. Bei unseren Souvignier Gris und Divico sind wir auf dem besten Weg. Das sind zwei erstklassige Rebsorten und die Kunden danken es uns. An der Messe in Berlin habe ich ein paar Degustationen mit deutschen Winzern machen können, die von ihnen total begeistert waren. In der Schweiz mischen wir bei diesen Sorten schon an der Spitze mit und diesen Spitzenplatz wollen wir auch konsolidieren und weiter ausbauen, wie dies in Wädenswil seit über 130 Jahren der Fall ist. Aber bei uns gibt es natürlich auch alte Sorten. Auf 10.5 ha haben wir weit über 200 Rebsorten.

Wie ist das Team vom Weingut Dreistand und wie ist die Aufgabenteilung?

Wir haben ein erfahrenes Team. Lorenz Kern leitet den Betrieb. Er keltert mit Kellermeister Thierry Wins die Weine. Es gibt nicht nur einen, der bei uns den Wein macht. Wein ist keine unilaterale Geschichte. Spitzenwein ist Teamwork. Wir glauben, dass Teamarbeit den besseren Wein gibt. Dabei gibt es auch Auseinandersetzungen, da so viele Interessen und Passion hineinfliessen. Dazu kommen unsere Forschungsleiterin Kathleen Macki-Haas, mein Stellvertreter Christian Maurer und der Leiter der Weinlabors, Rolf Zimmermann. Nicht zu vergessen alle unseren anderen Mitarbeiter, ohne deren Wissen und Einsatz die Arbeit nicht zu bewältigen wäre. Wir degustieren oft gemeinsam, da es darum geht besser zu werden - und jede Nase gibt eine Facette mehr.

Weshalb führen Sie so viele Versuche durch?

Diese Versuche kann sich kein anderes Weingut leisten, aber irgendeiner muss das ausprobieren. Wir wollen eine gute Prognose geben können, um die Winzerinnen und Winzer möglichst gut beraten zu können. Wir werten das nicht nur im Rebberg, sondern auch im Keller aus. Wir machen fast 300 Kelterungen im Jahr. Das ist ein riesiger Wissenspool für die Qualität, die Sicherung und die Erhöhung des Deutschschweizer Weinbaus.

In der Schweiz mischen wir bei den PIWI-Sorten schon an der Spitze mit und diesen Spitzenplatz wollen wir auch konsolidieren und weiter ausbauen.

Was ist Ihr Lieblingswein?

Bei den Präferenzen würde ich mich auf ein paar Rebsorten festlegen. Auf der einen Seite finde ich die Spielarten und die Vielfalt vom Pinot Noir enorm und es ist eine der schwierigsten Rebsorten, um einen guten Wein zu machen. Nebst dem fruchtig-fülligen Pinot mag ich auch den würzigen strukturierten Merlot. Beim Weisswein bin ich ein Liebhaber des Sauvignon Blanc. Seine Spielarten sind sehr interessant und er ist eigenständig. Last but noch least ist eine meiner Lieblingssorten die PIWI Sorte Souvignier Gris. Das ist die erste neue PIWI-Sorte, von der man immer eine Flasche mitnehmen kann, und die die Leute ohne Worte überzeugt.

Welche Hobbys haben Sie neben dem Weinbau?

Ich mag alles, was mechanisch ist. Ich fahre gerne alte Autos und ich sammle Uhren. Ich habe selbst zwei Mittelstands - Oldtimer und bin gerne mit denen unterwegs. Ich bin zwar auch ein Geek für digitale Produkte wie Handys, aber Mechanik, die Jahrhundertelang überdauert und ohne Software funktioniert, fasziniert mich einfach. Das ist mein Spagat zwischen der analogen und digitalen Welt.

Welcher Aspekt im Weinbau fasziniert Sie am meisten?

Mich fasziniert am meisten, dass ich in einem Beruf arbeite, in dem ich von der Pflanze bis zum Endprodukt die gesamte Wertschöpfungskette erlebe. Diesen ganzen Prozess zu sehen, ist viel zufriedenstellender als alles Geld der Welt. Jede Entscheidung muss stimmen und richtig sein. Das ist sehr komplex, doch wenn man am Ende ein Produkt hat, bei dem die Leute sich fragen, wie man das hergestellt und manchmal gezaubert hat, dann ist das unglaublich befriedigend. Dieser Austausch mit Menschen macht glücklich. Dazu bin ich ein neugieriger Mensch: Wenn jemand eine Idee hat, dann ist das wie eine neue Reise. Das hat mich mit 22 motiviert und das motiviert mich noch heute: It`s a wine journey!

Dreistand – Weinbauzentrum Wädenswil
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